„SRF Börse“ braucht es nicht

WiC-Blogpost Nr. 24

Seit 2006 präsentiert uns das Schweizer Fernsehen allabendlich zur besten Sendezeit „SRF Börse“. Auch wer nicht genau versteht, was die vielen Zahlen und Kurven bedeuten, soll wissen: Ökonomie ist, wenn viel Geld um den Globus geschoben wird.

Wer aber irgendein Lexikon nach der Grundbedeutung von Ökonomie befragt, erfährt, zum Beispiel bei Wikipedia: „Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse dienen.“ Und seit 1997 beweist uns das Bundesamt für Statistik, dass der grösste Wirtschaftssektor der Care-Sektor ist. Also das, was Hausfrauen wie ich täglich tun, damit der Laden läuft: kochen, waschen, putzen, Kranke pflegen, Kinder hüten. Auch die Ökonomin Mascha Madörin hat kürzlich in einem Interview wieder einmal in Zahlen ausgedrückt, was gemeint ist.

Wann berichtet SRF darüber? Nicht nie. Am 24. März 2019 zum Beispiel, habe ich mit dem Ökonomieprofessor Mathias Binswanger im Radio die Frage besprochen, wie eine Wirtschaftswissenschaft aussehen könnte, die den Namen verdient. Das war’s aber auch schon. Am 18. April 2019 teilte mir die Redaktionsleiterin von „SRF Sternstunden“ mit, sie sehe keinen Anlass, „das Thema grad nochmal zu bringen“ und endlich eine der vielen Ökonom*innen einzuladen, die etwas von Care verstehen.

Okay, dann gucken wir jetzt halt wieder „SRF Börse“.

Aber seit Januar 2017 ist die Siebte Schweizer Frauen*synode unterwegs. Zum Thema „Wirtschaft ist Care“. Am 5. September 2020 werden sich viele Frauen, Männer und andere in Sursee treffen, um laut zu sagen: Die Wirtschaft, das sind wir alle! Und wir wollen, dass auch noch unsere Enkel*innen gut leben können, auf diesem schönen, bedrohten Planeten Erde! Es steht dem Schweizer Fernsehen frei, „SRF Börse“ schon vor dem 5. September 2020 durch „SRF Care“ oder „SRF Glück“ oder „SRF Zukunft“ zu ersetzen.

(Eine kürzere Version dieses Textes ist unter dem Titel „Wirtschaft ist Care“ erschienen in: Aufbruch 238, 16.Mai 2019, 12)

 

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2 Kommentare

  1. Tom Sawyer

     /  Oktober 8, 2019

    Ein sehr wirrer Text wie mir scheint. Mich würde interessieren, welchen Mehwert die Sendung SF Börse schafft. Persönlich sehe ich die Sendung mehr als Unterhaltung. In den 5 min (auch wenn mit viel Liebe vorbereitet) werden weder Menschen für die Wirtschaft oder Börse begeistert, noch werden relevante Inhalte vermittelt. Ich frage mich, wer die eigentliche Zielgruppe dieser Sendung ist und wie viele Menschen diese Sendung konsumieren. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist SF Börse ein Luxus.

    Antworten
  2. @Tom Ja, es verwirrt, wenn man zum ersten Mal hört, dass der grösste Wirtschaftssektor die unbezahlte Arbeit in Privathaushalten ist. Und jetzt stell‘ dir vor: Wir hören und sehen im TV jeden Abend zur besten Sendezeit 5 Minuten Zahlen und Fakten, Nachrichten und best-praxis-Beispiele aus diesem und anderen Sektoren, die für unser Glück und unsere Zukunft wirklich wichtig sind. Und dann kommt eine daher und sagt: „Ich möchte endlich wieder einmal einen Börsenbericht hören!“ – Antwort der verantwortlichen Journalistin: „Aber über die Börse hatten wir doch erst vor einem Jahr ein halbstündiges Gespräch! Das Thema können wir doch nicht schon wieder bringen!“

    Antworten

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