Auf in den Sammelfrühling!

Auf in den Sammelfrühling!

Fünftes Gespräch über das bedingungslose Grundeinkommen (26. Februar 2013)

Beate Fehle: Schon länger haben wir nichts mehr von dir gehört.

Ina Praetorius: Erst war Weihnachtspause. Dann war ich viel auf der Strasse. Ich hatte mich ja als eine von hundert Leuten verpflichtet, bis zum 20. Januar hundert Unterschriften für die Volksinitiative zu sammeln. Ich hab’s geschafft, und das Fest im Hotel „Drei Könige“ in Basel war wirklich eine schöne Belohnung für den grossen Einsatz der hundert Sammlerinnen und Sammler. Und dann war ich drei Wochen in Kinshasa.

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Beate Fehle: Was  hast du dort gemacht?

Ina Praetorius: Ich habe Freundinnen und Freunde besucht, ein Kapitel für mein nächstes Buch geschrieben und über das bedingungslose Grundeinkommen nachgedacht.

Beate Fehle: Aha, und letzteres mit welchem Ergebnis?

Ina Praetorius: In der Demokratischen Republik Kongo ist es schwierig, „Staat“ überhaupt zu spüren. Für den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit (Juni 2010) und den Francophoniegipfel (Oktober 2012) haben zwar chinesische Bauunternehmen ein paar Hauptverkehrsachsen und repräsentative Gebäude bombastisch ausgebaut. Auch sonst waren ein paar Fortschritte gegenüber meinen letzten beiden Aufenthalten in Kinshasa (2008 und 2010) spürbar: Das Internet zum Beispiel lief erheblich schneller. Aber in den Wohnquartieren sind immer noch viele Strassen unbefahrbar, ständig fällt der Strom aus, und Wasser aus der Leitung gibt es höchstens stundenweise. Dabei könnte der Kongofluss, wenn man ihn entsprechend nutzen würde, ganz Afrika südlich der Sahara mit Strom versorgen. Öffentlichen Verkehr und Sozialversicherungen, die den Namen verdienen, gibt es auch nicht. Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen verdienen ca. 200 Dollar im Monat. Weil eine Familie davon bei weitem nicht leben kann, haben alle irgendwelche Nebenjobs zum Teil sehr dubioser Art. Kurz: ein existenzsicherndes Grundeinkommen wäre ein Segen für alle, aber unter den derzeitigen Bedingungen ist nicht vorstellbar, wer es organisieren sollte. Pilotprojekte wie das Dorf Otjivero in Namibia wären allerdings gut möglich. An NGOs herrscht kein Mangel, im Gegenteil: die Szene der im Kongo tätigen Hilfswerke ist riesig und sehr unübersichtlich.

Beate Fehle: Es muss ein ziemlicher Kulturschock sein, in die Schweiz zurückzukommen.

Ina Praetorius: Ja, und ein Klimaschock. In Kinshasa hatten wir selten weniger als 28 Grad Celsius, und seit ich zurück bin, gab es nur Eistage.

Beate Fehle: Unter diesen winterlichen Bedingungen Unterschriften zu sammeln, ist nicht so gemütlich.

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Ina Praetorius: Stimmt. Als ich einmal im Januar in Schaffhausen einen Nachmittag lang bei 6 Grad minus gesammelt habe, gab der Kugelschreiber den Geist auf. Wir haben trotzdem schon mehr als 70.000 Unterschriften beisammen.

Beate Fehle: Das ist gut.

Ina Praetorius: Ja, aber es ist kein Grund, sich auszuruhen, denn 50.000 Unterschriften brauchen wir noch. Zum Glück scheint am nächsten Wochenende der Frühling kommen zu wollen. Dann müssen unbedingt wieder viele Sammlerinnen und Sammler auf die Strasse, zum Beispiel am Sonntag vor die Abstimmungslokale. In den kommenden Monaten muss der Schwerpunkt der Aktivitäten ganz klar auf dem Unterschriftensammeln liegen.

Beate Fehle: Heisst das, es gibt keine Debatte mehr, keine Veranstaltungen? Nur noch Unterschriftenjagd?

Ina Praetorius: Nein. Ich selber bin allein im März an vier Veranstaltungen beteiligt: in St. Gallen, Dornach, Bern und Zürich. Und es gibt noch mehr. Selbstverständlich geht die Auseinandersetzung um das postpatriarchale Projekt Grundeinkommen auch in dieser Form weiter. Wenn wir aber wollen, dass das Thema auch nach dem Oktober 2013 noch auf der politisch-kulturellen Agenda steht, dann müssen wir jetzt den Schwerpunkt aufs Unterschriftensammeln setzen. Das bedeutet auch: Leute gewinnen, die sich auf die Strasse wagen. Auch auf Facebook kann man und frau sich vernetzen, denn gemeinsam macht das Sammeln eindeutig mehr Spass.

Beate Fehle: Okay, dann also auf in den Sammelfrühling!

 

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