Was hat das Klima von mehr Gesundheitspersonal?

WiC-Blogpost Nummer 47

Am 4. August 2021 stellten die beiden linksambitionierten Jungökonomen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in ihrem Podcast „Wohlstand für alle“ eine interessante Frage: „Was hat das Klima von mehr Gesundheitspersonal?“ (Minuten 19.29 -19.31) – „Nichts natürlich!“ möchte eine spontan antworten und damit die Frage als rhetorisch abtun. Zwar wollen fast alle die Klimapolitik „sozialverträglich“ gestalten. Aber abgesehen von dieser ausgeleierten Absichtserklärung scheinen Umwelt-, Gesundheits- und Sozialpolitik wenig miteinander zu tun zu haben.

Es gibt da aber einen Zusammenhang: Er liegt in der Erkenntnis, dass Menschen abhängig sind, und zwar voneinander und von der so genannten Natur. Egal, wie viel Geld sich auf unseren Konten und wie viele Nobelpreise sich in unseren Lebensläufen angesammelt haben, jeder und jede kann jederzeit auf der Intensivstation landen, und alle geraten wir in existentielle Not, wenn Unwetter unsere Häuschen oder auch Villen wegreißen, wenn Hänge rutschen, Gletscher schmelzen oder Waldbrände den Badestränden zu nahe kommen.

Abhängigkeit ist nun allerdings nicht der Zustand, den man uns zu lieben gelehrt hat. Im Gegenteil: Schon in der Antike haben Philosophen eine mannhafte Form von Freiheit aufs Podest gestellt, die sich als das Gegenteil von Abhängigkeit versteht. Theologen haben menschliches Angewiesensein zwar nie bestritten, sie aber höchst eigenartig konzipiert, nämlich als Unterwerfung unter einen göttlichen „Herrn und Vater“, der vom Himmel herab nach Belieben züchtigt oder begnadigt. 

Zwar müsste jedem denkenden Menschen unmittelbar einleuchten, dass Freiheit für geborene und sterbliche Naturwesen nur in bleibender Abhängigkeit existiert. Aber man kann sich über diese Einsicht hinwegtäuschen, zum Beispiel indem man Leute versklavt oder ein Geschlecht als von Natur aus fürsorglich definiert.  Solcherart ausgegrenzte Sonderformen der Gattung homo sapiens kann man dann in Sonderwirtschaftszonen sperren, wo sie sich hauptamtlich mit den peinlichen Begleit- und Folgeerscheinungen menschlicher Abhängigkeit und Natürlichkeit befassen sollen. Eine traditionelle Sonderwirtschaftszone ist die Familie. Der lateinische Begriff „Familie“ leitet sich vom Wort „famulus“ ab. „Famulus“ heisst „Diener“. 

Inzwischen hat sich die Menschheit allerdings auf  allgemeine und gleiche Menschenrechte geeignet, weshalb es heute als ethisch unstatthaft gilt, bestimmte Angehörige der Gattung quasi ontologisch auf bestimmte Funktionen festzulegen: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Und der Klimawandel führt uns täglich deutlicher vor Augen, dass kein Mensch ein souveräner Herr ist, der sich selbst und seine Umgebung von oben herab kontrollieren könnte. Womit wir wieder bei der Frage wären, was das Klima mit dem Gesundheitspersonal zu tun hat:

Dem Klima selbst ist das Gesundheitspersonal natürlich egal. Aber Menschen tun gut daran, die eigene Abhängigkeit von der Materie (zu lat. mater=Mutter), aus der wir alle bestehen, und voneinander so zu organisieren, dass möglichst wenig Schaden für uns und unsere Nachkommen entsteht. Weil wir alle Naturwesen und als solche voneinander abhängig sind, brauchen wir ausreichend Gesundheitspersonal und Klimaschutz.